Die Jahre 1919-23. Der erste Teil der Weimar-Trilogie thematisiert die ersten Jahre einer angefeindeten Republik, das Aufkommen populistischer Propaganda und zahlloser Politikermorde und die ungebändigte Lebensgier einer jungen Nachkriegsgeneration. GIER erzählt von der Zerbrechlichkeit der Freiheit in den Anfängen unserer ersten deutschen parlamentarischen Demokratie und macht in ihren Wirrnissen nacherlebbar, wie Menschen in Zeiten rasender Veränderung träumen, hoffen und handeln.

Mit Oliver Hermann, Angelina Kamp, Mignon Remé, Erik Schäffler und Markus Voigt Text und Regie Erik Schäffler Musik/Sounds Markus Voigt Recherche, Projektion und Produktionsleitung Oliver Hermann Kostüm Frauke Volkmann Zeichnungen, Gemälde, Fotos und Filme Andreas Karmers Design Boris Porr Webdesign Markus Richter

Für das Anfertigen von Ausstattungsteilen danken wir Peter Wiemker

AKTUELLER BEITRAG IM NDR: “WEIMAR-ABENDE AM HAMBURGER AXENSPRUNG-THEATER”

SENDUNG: DAS! | 26.09.2023 | 18:45 UHR

Unser filmischer Beitrag zum „Tag der Weimarer Republik 2022“ – der Kapp-Putsch:

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In der renommierten Theaterzeitschrift „Die deutsche Bühne“ des Deutschen Bühnenvereins wurde unser Schauspiel „Gier – Weimar, die erhitzte Republik“ von der Hamburger Autorin und Kulturjournalistin Dagmar Ellen Fischer in der Rubrik „Freie Szene“ als bestes Stück 2019 gewählt.
Dafür bedanken wir uns recht herzlich!

Mit Unterstützung der Landeszentrale für politische Bildung, der Stadt Hamburg, des Thalia Theaters, der IPT Immobilien-Investoren-Beratung GmbH und des Ida-Ehre Kulturvereins e.V. // Unser besonderer Dank gilt: Ute und Markus Linzmair, Charlotte Remé, Tom Remé und Hansjürgen Menzel-Prachner.

Ein herzlicher Dank an das Altonaer Museum-Stiftung Historische Museen Hamburg für die kostenlose Zurverfügungstellung von Fotomaterial folgender Bilder der Hamburger Sezessionisten, die im Rahmen der Ausstellung „Tanz des Lebens. 100 Jahre Hamburgische Sezession“ bis zum 13.1.2020 im Jenisch Haus präsentiert werden und von Privatpersonen für die Ausstellung entliehen wurden:

Otto Fischer-Trachau: „Mond über der Vorstadtstraße in Bahrenfeld“ // Heinrich Steinhagen: „Tanzende“ // Arnold Fiedler: „Café“ // Dorothea Maetzel-Johannsen „Verführung“

UNSERE GESCHICHTE

Hamburg, 1919: Der Stadt erwächst aus den Nachkriegs-Hungerunruhen der sogenannte „Sülzeaufstand“ mit dem darauffolgenden Einmarsch der Reichswehr mit Toten und Verletzten. Der rechtsnationalistisch geprägte Kapp-Lüttwitz-Putsch und die alles erschütternde Hyperinflation stehen  kurz bevor.

Martha Knies ist mit ihren drei Kindern auf der Flucht vor ihrem rechtsradikalen Ehemann Rudolf in eine winzige Wohnung im sogenannten „Gängeviertel“ gezogen. Sie hat sich mittlerweile der KPD angeschlossen, die ihr ein Studium an der Kunstgewerbeschule ermöglicht. Martha verliebt sich in ihre Mitstudentin Lucy Lewin und kommt über sie in Kontakt zu einem Kreis von Freunden, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Doch ihr politisches Engagement und die Angst vor ihrem Mann isolieren sie mehr und mehr. Als die KPD unter immer stärkeren Einfluss der Sowjetunion gerät und die endgültige Weltrevolution mit Gewalt umsetzen will, muss Martha sich entscheiden.

Lucy Lewin, Nichte eines bekannten Berliner Mäzens moderner Kunst, lernt Martha beim Studium kennen; die Frauen kommen sich nahe. Lucy  verehrt Lavinia Schulz, eine radikale Hamburger Avantgarde-Künstlerin. Lucy ist ein Freigeist: wild und impulsiv, nimmt sich das, worauf sie gerade Lust hat; auch in sexueller Hinsicht. Da sie politisch desinteressiert ist, Politik geradezu verabscheut, prallen die Wertesysteme der beiden Frauen mehr und mehr aufeinander. Martha versucht, ihr klar zu machen, dass ohne politisches oder gesellschaftliches Engagement jede Freiheit in Gefahr gerät. Als Lucy dies endlich erkennt, ist es bereits zu spät.

Paul Schätzing. Bauingenieur und überzeugter Anhänger der Republik. Wurde im Krieg schwer am Gesicht verwundet. Martha bewahrt ihn vor einer tiefen Depression und bringt ihn dazu, bei Oberbaudirektor Schumacher vorzusprechen. Dieser arbeitet gerade an den Plänen für den Abriss des südlichen Gängeviertels, um dort ein neues Kontorhausquartier aufzubauen. Schätzing liebt und verehrt Martha. Da jedoch genau ihr Viertel abgerissen werden soll, gerät er in einen massiven Gewissenskonflikt. Er versucht Martha mit dem Versprechen einer bezahlbaren Neubauwohnung zum Auszug zu bewegen.

 

Karl Otto („Karlo“) Rettmann tritt als Musiker und Entertainer in den großen Etablissements der Stadt auf. Martha lernt ihn bei einem Auftritt im „Floratheater“ – kennen, das allerdings kurz darauf, wie viele Tanzlokale und Kneipen in dieser Krisenzeit, schließen muss. Karlo gerät in finanzielle Abhängigkeit von…

Andersen. Früherer Hilfskellner und Drogenhändler, der durch krumme Geschäfte und geschickte Spekulationen während der Inflation zu einem Vermögen kommt.

Rudolf Knies. Freikorpsmann der ersten Stunde. Kämpft nach dem Krieg für die Freikorps im Baltikum weiter und nimmt am Kapp-Putsch teil. Wird nach dessen Scheitern außer Dienst gestellt. Knies schließt sich der geheimen „Organisation Consul“, einer rechtsradikalen Terrororganisation an, die es auf vermeintliche Verräter an der „deutschen Sache“ abgesehen hat. Zu den Opfern gehören der Unterzeichner des Waffenstillstandsabkommens Erzberger und Außenminister Rathenau. Ziel ist die Destabilisierung der Republik. Knies sucht gegen Marthas Willen Kontakt zu seinem Sohn, um ihn in völkisch erziehen zu können und droht mit Marthas Entmündigung und Einweisung ins Irrenhaus.

In die sich verwebenden Handlungsstränge unserer Protagonisten treten reale historische Personen wie Matthias Erzberger, Walter Rathenau und der Hamburger Oberbaudirektor Fritz Schumacher.

 

„Man muss nicht nur einmal, man muss häufiger diese Höfe mit forschenden Blicken durchwandert haben, muss sich gründlich in den Wohnungen umgesehen und versucht haben, Verständnis für das Leben ihrer Bewohner zu gewinnen, um geradezu Bewunderung vor der Tatsache zu empfinden, dass trotz aller hygienischer und moralischer Schäden dieser Wohnungen aus dem Gängeviertel noch so viel tüchtiges Menschenmaterial zugewachsen ist.“

Illustrierte Rundschau vom 11.08.1912

Beilage zum Hamburger Fremdenblatt

„Es war leider so, dass um die ‚Schwarze Reichswehr‘ herum alles schwarz war und dass es für den nicht Eingeweihten darum außerordentlich schwierig, wenn nicht gar unmöglich wurde, die Einzelheiten ihres Treibens und ihrer Zusammenhänge mit anderen Stellen zu erkennen.“

Carl Severing

Preussischer Innenminister

„Sicherlich ist das alte Hamburg in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine entzückende malerische Stadt gewesen, von Rückwärts aber voller Eiterbeulen und gräulichen Gewürms. Allmählich waren die die großen Blöcke, welche die Stadt ursprünglich als weite Gärten umschlossen, völlig zugebaut von einem Wirrwarr kleiner Wohnhöfe und Gassen. Der ganze Bevölkerungszuwachs wurde auf diese Weise von Fall zu Fall, wie es gerade noch ging, in den ursprünglichen Organismus hineingestopft.“

Baudirektor Fritz Schumacher

Besonders in den Darstellungen der ’neuen Frau‘ verzichten die Künstler auf Merkmale, die gewöhnlich als weiblich bezeichnet werden: So zeigt ‚Das Bildnis der Journalistin Sylvia von Harden‘ von Otto Dix den androgynen Körper einer Frau, die mit Bubikopf, Monokel und Zigarette im Café sitzend dem damals gängigen Verständnis der emanzipierten Frau entsprach – einer Frau, die sich nicht um die Vorstellungen der Gesellschaft von Schönheit und Geschlechterrollen kümmert und stattdessen selbstbewusst ihren Weg geht.“

Julia Schmitz

https://www.schirn.de/magazin/kontext/weimar/weimar_republik_neue_frau_neue_sachlichkeit/

DIE ERSTEN JAHRE DER WEIMARER ZEIT

Diese Frühphase ist geprägt von gewaltiger Arbeitslosigkeit, Hyperinflation, der politischen Isolation Deutschlands und dem ungeheuren Druck durch den Versailler Vertrag. Es kommt zu zahlreichen Umsturzversuchen und politischen Morden.

Durch kluge Außen- und Wirtschaftspolitik gelingt es Politikern wie Erzberger und Rathenau zunehmend, Deutschland zu einem anerkannten demokratischen Teil Europas zu entwickeln. 1923 kommt es jedoch aufgrund einer extrem hohen Staatsverschuldung und einer verfehlten Finanzpolitik zur Hyperinflation, deren Folgen Massenarbeitslosigkeit, Verarmung und damit politische Radikalisierung und eskalierende Unruhen sind.

Frauen können sich erstmals von der traditionellen Rollenzuweisungen distanzieren. Viele von ihnen entwickeln, befreit von den starren Normen der Kaiserzeit, bis dahin unbekannte Lebensentwürfe.

Auch Kunst- und Unterhaltungskultur – erstmals frei von Zensur – können aufblühen und erleben einen rasanten Aufschwung; denn viele Menschen gieren nach all dem, was ihnen in den entbehrungsreichen Jahren des Krieges so lange vorenthalten wurde: Freiheit, Lebensfreude, Genuss, Eros.

In der Erinnerungskultur stehen die darauf folgenden Jahre für Aufbruchsstimmung und kulturelle Experimentierfreudigkeit, für ausschweifende Partys und ungestillte Vergnügungssucht. Vor allem der Jazz infizierte die Vergnügungshungrigen. Revuen und Tanzlokale gehörten in den Städten zum Lebensstil der „Goldenen Zwanziger“, die allerdings so golden nur für wenige Reiche waren.

 

„Deutschland, das Volk der Dichter und Denker, die Heimat eines Bach und Dürer, eines Beethoven und Grünewald, eines Goethe und Kant, eines Eckehart und Luther – und nun einer Jauchegrube gleich! (…) Die Bühnen predigen den Untergang, und das Publikum erquickt sich gruselnd am Blicke der eigenen Instinktverwirrung. Das ist die neue Zeit – und der Neger Jonny ist ihr Prophet.“

E. L. Schellenberger in "Der Türmer"

Monatszeitschrift für Gemüt und Geist, 1927

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Markenzeichen des Axensprung Theaters sind historisch und gesellschaftlich relevante Themen, die intensiv recherchiert und als Theaterstücke neu entwickelt werden. Die Inszenierungen werden auch mit Unterstützung von großflächigen Hintergrundprojektionen aus Video- und Bildmaterial, sowie Klangcollagen, Eigenkompositionen und Livemusik sinnlich nacherlebbar. Axensprung Theater arbeitet mit signifikanten Mitteln und bestechend einfach konzipierten Bühnenbildern, um die Produktionen an allen Orten aufführen zu können, die ein inhaltliches Interesse an einer Kooperation haben.

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